Aktuelles


28. November 2022

 

Lyrik-Rezension

 

zu Franziska Beyer-Lallaurets "Falterfragmente / Poussière de papillon"

mit Bildern von Johanna Hansen. Sehr zu empfehlen.

 

Meine Besprechung finden Sie unter der Rubrik Rezension .


22. November 2022

 

Literatur aus dem Rheinland ...

 

ich habe im Auftrag des Literaturbüros Düsseldorf einen Text geschrieben, der demnächst veröffentlicht wird.

 

Es geht um ein altes Klavier, die Klarinette eines ganz jung im Krieg gefallenen Onkels, eine Kiste duftender Orangen aus Israel. Um meine wunderbare Großmutter und ein altes Jugendstilhaus. Und um den Knappenberg - mit 102 Metern über NN den, nun ja: "Berg"  meiner Kindheit. Kriegstrümmer von 10 000 Oberhausener Wohnhäusern bilden seine stattliche Höhe, die ab den 1950ern begrünt wurde. Gras drüber. Birken und Sträucher. Und das monströse ungeheure Schweigen des Nachkriegs.

Mehr demnächst.

Das Klavier oben steht übrigens im Sweet Sixteen in der Dortmunder Nordstadt. 

Jetzt schon spannende Beiträge von Kolleg*innen lesen unter www.literatur-rheinland.de .


16. November 2022

 

442 eingesendete Textbeiträge

 

zwei Gewinner*innen (Carmen Jaud, 1. Preis und Gabriel Wolkenfeld, 2. Preis). Und elf Nominierte, darunter ich mit "Fahrplan für später". Das ist eine ganz schöne Bilanz, klasse. Ich hab mich echt gefreut, als die schön gestaltete Anthologie aus dem Berliner Quintus-Verlag im Briefkasten lag.



15. November 2022

 

Hindeloopen

 

ist eine kleine, nein: eine mega-winzige  niederländische Stadt im Südwesten der Provinz Friesland am Rande des IJsselmeers. Knapp 1000 Seelen leben hier - am liebsten würde ich sofort dazu ziehen. Wir sind beim Überlandfahren zufällig hier gelandet. Und vor lauter Ohs und Ahs ... , meine Güte, es ist schier zum Verrücktwerden, so süß ist das alles hier. Ich kenne bisher keine Stadt in den Niederlanden, die mich nicht aus dem Stand verzückt - aber dieses Hindeloopen toppt alles. In der Novemberschläfrigkeit garniert mit ein bisschen Bodennebel haben wir die Häuser und das uralte Kopfsteinpflaster bewundert und sind fast mit angehaltenem Atem hier durchgelaufen. Offenbar klaut hier keine Mensch auch nur das Allergeringste: Töpfe, Windspiele, Keramiken und Kerzenleuchter - alles steht und hängt und leuchtet und erfreut des Menschen Herz. So viel Liebe beim Schmücken der Fenster und den Blumenarrangements vor den Häusern haben wir selten gesehen.

 ... und Impressionen aus Harlingen und Franeker


4. November 2022

 

Lichtspektakel am Markt

 

Auf das altehrwürdige Rathaus wurde nach Einbruch der Dunkelheit eine bunte Bilder-Show projiziert. Zur 800-Jahr-Feier der Stadt waren auch viele Gäste von auswärts gekommen; der Marktplatz, von jeher Treffpunkt zu besonderen Anlässen (der liebste war mir und vielen anderen Jahr für Jahr der 1. Mai), war schwarz vor Menschen.

Musik, Texte, Projektionen - eine spektakuläre Veranstaltung, die viel Beifall fand. Bei moderaten Temperaturen konnte man gut draußen noch ein Bierchen zischen. Hach ja - wie früher, als alles Gold war, was glänzte ...

Und in der Unterstadt, Am Grün, im Café der Buchhandlung "Roter Stern" direkt an der Lahn, ist der Kuchen immer noch so gut wie früher. Zur Zeit gibt es eine spannende Ausstellung: Regina Michel zeigt ältere und neue Werke, überwiegend Acryl und Mischtechniken auf Leinwand.


11. Oktober 2022

 

fluss_laut ...

 

ist der Name der Netz-Anthologie rheinischer Lyriker*innen unter der Federführung des Literaturbüros Düsseldorf. In Westfalen leben ist für die Teilnahme kein Hindernis. Ich veröffentliche hier zum zweiten Mal. Bitte gerne fluss_laut googeln. Spannende Beiträge lesen. Und ... vielleicht ein Herzken machen, wo's gefällt?!


2. November 2022

 

Fremde Freiheit

 

Sie ziehen weg bevor man

sie jagt sie brechen im

Vorgarten einen Zweig und

retten sich schweigend in der

Barkasse ans andere Ufer:

 

Rosmarin hellblau voll Unschuld

in Blüte wie die winzigen Blumen

auf dem Kittel der Mutter die

in der Küche Kirchenlieder sang.

 

An einem Winterabend später

werden sie den Zweig aus

der Truhe holen behutsam

aus dem weichen Lappen

schälen dann zwischen den Fingern

reiben schnuppern das Wildbret

würzen. Die Nadeln zerkleinern

im Mörser der fremden Freiheit.

 

 

Aus: Ursula Maria Wartmann, Am Ende der Sichtachse, edition offenes feld 2022


1. November 2022

 

Sonne und Novemberblues ...

 

wirklich genießen kann man es nicht, dieser Tage in der Sonne zu sitzen. Es ist einfach, verdammt noch mal, irgendwie nicht ... passend. Trotzdem ist es natürlich herrlich: Die sommerlichen Farben und die herbstlichen Farben. Die müden Schnecken und die leise brummenden Wespen - auch nicht mehr wirklich in Hochform. Das Gartenhaus aufgeräumt. Ein paar Himbeeren noch auf der Zunge zergehen lassen. Noch ein bisschen Gemüse geerntet. Laub von der alten Kirsche zusammengerecht. Eigentlich müsste der Rasen noch mal ..., aber nein! Es ist zu feucht; im nächsten Frühjahr also. Das ist noch lange hin. Wer weiß schon, was bis dahin ...


29. Oktober 2022

 

Bildungswoche zum Thema Feminismus im DGB-Tagungshaus 

 

in Hattingen. Hattingen (hier leben etwa 60 000 Menschen) mit seiner charmanten Altstadt gilt als eine der malerischsten Städte in Nordrhein-Westfalen.

 

Die Diskussionen zum Thema wurden von fast zwanzig Frauen oft kontrovers geführt. Zwischen den meisten 68er-Veteraninnen und den im Schnitt Mittdreißigerinnen (plus - minus) klafften deutlich Gräben, ideologisch und sprachlich, was die Kommunikation immer wieder schwierig machte. Dass ausgerechnet Alice Schwarzer - egal, wie jemand zu ihr steht - nicht in die Riege exponierter Frauen der zweiten deutschen Emanzipationswelle aufgenommen wurde, wurde von den Älteren definitiv als eine Art Mobbing wahrgenommen, denn selbstredend IST sie eine herausragende Vertreterin der Frauenbewegung. Eine Teilnehmerin - eine Transfrau - verstieg sich gar zum "Alice Schwarzer gleich Arschloch" Vergleich. Okay, okay: Wir haben verstanden. Viel an Hass und Wut scheint sich an Schwarzers Standpunkt zum Selbstbestimmungsgesetz zu entzünden. Bizarr. Unerfreulich auch. Es schien schwierig, als Teamleitung da den Überblick zu behalten und klug zu moderieren. 

Wie auch immer: Es war erhellend und durchaus bildend.

Kuschelig ist es in Hattingen.

 

Fast 150 sanierte Fachwerkhäuser gibt es in der Stadt. Museen gibt es und wuchtige Kirchen. Die Burg Blankenstein, den Ruhrhöhenweg und gemütliche Kneipen und schöne kleine Läden. Der Kemnader See ist nicht weit, auch nicht ausgedehnte Felder, traditionsreiche Höfe und Wälder mit hohem Wildbestand ...

 

Spannend und ungemein bunt ist es hier: Ruhrpott eben, direkt neben Witten und Bochum; nicht mal dreißig Autominuten von der Dortmunder Innenstadt entfernt.


Wir brechen die Tage wie Brot
Rolf Birkholz

 

Schon ihren ersten Gedichtband, Gegen acht im Park (2020), hatte Ursula Maria Wartmann mit Grafiken eines niederländi­schen Landschaftsmalers aus dem 17. Jahrhundert illustriert. So hat sie es auch in ihrer zweiten Sammlung gehalten. Am Ende der Sichtachse ist mit Landschaf­ten von Gillis van Scheyndel bebildert. Auch sie werten das Buch auf, lassen zur Lektüre in vergangene Zeiten eintau­chen. Doch Vorsicht: Wartmanns Lyrik ist überwiegend hellwach gegenwärtig.
Aber sie haut nicht auf die Pauke, ihre Verse ziehen wiederum in meist zügi­gem, mitunter auch leicht stauendem Fluss gezielt gebrochener Zeilen durch die Gedichte. "Tage so sonnenwarm" etwa lässt Zeiten am Meer wieder auf­scheinen, wo sie das "hungrige Herztier / hinter dem Rippenbogen grasen" spüren: "so / sonnenwarm sind wir wir / brechen die Tage wie Brot."
Das Brot-Bild taucht noch einmal ganz anders, umfassender auf: "Wir teilen den Trost der Gebete / wie Brot zerdrücken wir Worte / unter dem Gaumen / schme­cken das Bittere / Wahre des Lebens." So einfühlsam, dabei ganz ohne falsche Süße wie hier ("Trost") ist der Kommuni­onempfang, die Hostie im Moment zwi­schen sinnlicher und geistiger Wahrneh­mung wohl selten erfasst worden. Aber krass dagegen gesetzt ist in "Denken an Knaben" ein Kleriker, der "verdaut / den Leib des Herrn". Und "Hinten im Kirchen­schiff" klingen die emotionalen "Glutströ­me" eines offenbar durch einen Priester Geschädigten an.
Ursula Maria Wartmanns Themenpalette ist freilich viel umfangreicher. Um frühe Liebe und Lebensendsorgen geht es, um die bedrohte Natur ("die Krankheit der Fichten in / Excel-Tabellen die Stämme / die Borken die prallen / Körper der Kä­fer") wie auch die einfach nur belebende ("Kartoffelernte"). Die Queen wird beim Begräbnis ihres Gatten beobachtet. Oder der Blick fällt in kalter Nacht auf ein Al­tenheim, dort "brennt noch / die Lampe hängt tief über / dem langsamen Tod der greisen / Diva all den Fotos und Briefen und / dem Triumph ihres heißen / des un­nachgiebigen Lebens." Das einzelne Leben vom Leben an sich umgeben.

 

25. Oktober 2022

 

Wie toll!

Seit kurzem auf der Webseite "Am Erker": Rolf Birkholz hat "Am Ende der Sichtachse" rezensiert. Vielen Dank dafür!

 

Ursula Maria Wartmann: Am Ende der Sichtachse. Gedichte. 100 Seiten. edition offenes feld. Dortmund 2021. € 19,50.




23. Oktober 2022

 

ANGST - Mein Vati und ich

 

 

... ist ein Dokumentarfilm über Kriegskinder und -enkel von Michael Krause. Er wurde im Gemeindehaus der Dortmunder Marienkirche gezeigt und behandelt die sogenannte "transgenerationale Weitergabe" von Traumafolgen an die Kinder von Eltern mit

ihren einschneidenden und grausamen Kriegserlebnissen. Der Enkelgeneration gehören, ganz grob, die Jahrgänge ca. 1955 bis 1975 an.

 

Nach dem Film wurde in der Diskussion bei vielen ein riesiger Leidensdruck spürbar. Die These: Faschistische Gewalt, Traumata, Ängste und Aggressionen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von den Vätern überwiegend in den Familien ausgelebt, während gleichzeit die verursachenden Verstrickungen während des Nationalsozialismus tabuisiert und totgeschwiegen wurden. (Ich persönlich kenne niemanden aus meiner Generation, deren / dessen Vater im Zweiten Weltkrieg NICHT Sanitäter oder auf der Schreibstube war. Waffen in der Hand? - Nie! Niemals! ) Hm. Soweit klar, oder?

Blockaden, Schuldgefühle, das Gefühl von Heimatlosigkeit ... das alles und noch viel mehr scheint exemplarisch für die Befindlichkeit von etlichen der "Kriegsenkel" zu sein.

Der Nachmittag mitsamt dem radikal subjektiven Film, der mit einer Szene am offenen Sarg des verhassten Vaters begann, den kalten fromm gefalteten Händen, die so oft zugeschlagen hatten, war ungemein aufschlussreich - auch die Statements im Film von Klaus Theweleit, der mit "Männerphantasien" DEN Klassiker der Männerforschung im Kontext des Nationalsozialismus geschrieben hat. Ende der 1970er war das, und die Männerfantasien haben rein gar nichts mit dem zu tun, was manche Männer gern fantasieren - das für diejenigen, die Klaus Theweleit nicht kennen und vielleicht trotzdem Lust haben, das eines Tages zu ändern.

Besonders:

Filmemacher Michael Krause war anwesend.  Mit eher mildem Interesse bin ich in die Veranstaltung hinein geraten und jetzt ... ? Ich will mehr wissen. Es gibt sehr sehr viel Literatur zum Thema. Einiges kenne ich schon.

Unter kriegsenkel.dortmund@gmx kann man Kontakt aufnehmen. Die Gruppe trifft sich einmal im Monat in der Innenstadt.

Mehr unter www.kriegsenkel-dortmund.de

Informationen auch unter www.forumkriegsenkel.de


22. Oktober

 

Zitat von Imre Kertész:

 

"Der eine sucht zu erobern, um die Welt zu besitzen, der andere sucht sich aufzugeben, um selbst Welt sein zu können. Auf dem Weg des Verstehens ins Zentrum der Dinge einzudringen, ergibt das vollkommenste und universellste Ich-Gefühl."

Das hat mich gleich heute früh begeistert: Ich hatte es vor langer Zeit irgendwo abgeschrieben und wiedergefunden. 



21. Oktober

 

Das "Café Lebensart"

 

am Rahmer Wald in Dortmund ist ein absoluter Geheimtipp. Ohne Reservierung geht hier fast nie nix.  Jürgen Brôcan, Schriftsteller, Lyriker, Übersetzer und Essayist und außerdem Herausgeber der edition offenes feld und ich hatten Glück und durften in ein wunderbar altes Sofa sinken. Wir probierten Köstlichkeiten  - heiße weiße Schokolade etwa, den köstlichen Kuchen, der Gewitterkuchen heißt, und den stärksten Espresso der Welt - und parlierten ganz nebenbei über die Dinge des Lebens an sich, über Göttin, die Welt und natürlich die Literatur. Das Leben kann trotz allem immer  wieder verdammt schön sein. Erst recht, wenn es sogar auf dem stillen Örtchen frische Blumen, Teelichter und Bilder mit Lebensweisheiten in blitzblanken IKEA-Rahmen gibt ...


20. Oktober

 

Stiftung "Aufmüpfige Frauen"

 

Der gleichnamige Preis wurde im Keuning-Haus in Dortmund verliehen.

Die Preisträgerinnen waren die Frauengeschichtsforscherin und überaus rührige Kulturakteurin aus Dortmund, Dr. Uta C. Schmidt. Und als Team das Medizin-Trio Kristina Hänel, Allgemeinmedizinerin aus Gießen, Helga Seyler, Gynäkologin aus Hamburg und Sylvia Groth, Medizinsoziologin aus Graz/Österreich. Alle drei waren 2021 in der Kommission zur Erarbeitung einer Leitlinie zum Schwangerschaftsabbruch.

Ihr Ziel: Die Verbesserung der Versorgung von Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch planen.

Als "aufmüpfigen" - besser vielleicht: kämpferischen? - feministischen Frauen blies ihnen mehr als einmal kräftig der Wind ins Gesicht. Hut ab vor ihrer Courage und ihrem langen Atem. Eine Weile war die Presse voll davon. Auch am Abend der Preisverleihung musste vor dem Keuning-Haus Polizei postiert werden, weil über Facebook Drohungen gepostet worden waren. Wie auch immer: Der Saal war voll - und zwar offenkundig mit mehrheitlich "aufmüpfigen" Ladies der 68er Bauart. Die Laudationes wurden mit viel begeistertem Beifall aufgenommen: Rufe, Pfiffe, Klatschen ... wie früher. Yeah! Der Kampf geht weiter! Es ist noch viel zu tun.


19. Oktober

 

Nette Post aus Düsseldorf:

 

"Wie Sie vielleicht mitbekommen haben, hat das Literaturbüro im vergangenen Jahr zusammen mit zahlreichen Partner*innen ein literarisches Netzwerk ins Leben gerufen: Literatur Rheinland (www.literatur-rheinland.de). Eines unserer großen Projekte ist eine digitale Literaturkarte, auf der wir – neben Porträts inzwischen verstorbener Autor*innen – Texte zeitgenössischen Schriftsteller*innen über Orte in der Region präsentieren. Diese sollen dazu einladen, die Region literarisch zu erkunden und dabei verschiedene Perspektiven einzunehmen.

Wir würden uns sehr freuen, Sie als eine der herausragenden Stimmen unserer Region (und darüber hinaus) für das Projekt gewinnen zu können ...!"

 

Mein Thema: Der Schlackenberg in Oberhausen. Als Kind war ich oft mit dem Fahrrad da, ich habe diese Mischung aus Rost und Rauch und wilden Kräutern geliebt. Dass der "Monte Schlacko" zu einem riesigen Teil aus Trümmerschutt bestand, wußte ich damals nicht. Eine Million Kubikmeter Schutt von ungefähr  10 000 Wohnhäusern meiner Heimatstadt wurden dort nach dem Zweiten Weltkrieg gelagert. Das habe ich erst mit knapp siebzig Lebensjahren erfahren - zufällig in einem Gespräch gehört -, das muss man sich mal vorstellen, und das hat mich wirklich erschüttert. Typisch für das große riesige monströse Schweigen um uns herum. Vergangenheit gab es praktisch nicht. Meine Güte, war das alles krank.

Wie auch immer: Ich werde für literatur-rheinland einen Text über den Berg meiner Kindheit schreiben. Mehr weiß ich selber noch nicht. Abgabe Dezember.


18. Oktober

 

Noch ist er golden.

 

Zum Thema eine Audio-Datei.

Download
Lothringer Lein aus: Am Ende der Sichtachse, edition offenes feld 2021
2022_10_19_19_35_23.mp3
MP3 Audio Datei 1.1 MB

11. Oktober 2022

 

Goldener Oktober

 

Im Westen herrlichste Sonnenuntergänge bei milden Temperaturen. Zeit der Fülle und der Reife. Im Garten wurde geerntet - ganz viele Äpfel, Tomaten dieses Jahr in Überfülle, Bohnen, Kartoffeln, Zwiebeln ... Einiges Gemüse läßt noch auf sich warten. Viele Johannisbeeren gab es. Die sind jetzt leckerer Likör. In der Gartenlaube wurde ohne Ende Marmelade eingekocht - und erstmals ein Chutney aus Tomaten, Zwiebeln und Äpfeln. Köstlich. Aber halt!, es soll ja noch etwas überbleiben. Für die Zeit, wenn es wieder so furchtbar kalt und ungemütlich wird und man, wie jedes Jahr, glaubt, dass der Winter nienienie mehr aufhört ...

Kartoffelernte

 

Aus dem Rascheln der Bäume fällt Herbst

Winde stöbern durch Stoppelfelder schichten

Laub und Lehm am Rand der Landstraße

glitzern die Dächer der Limousinen im

Abendlicht auf dem Acker

das Bücken von Rücken nach gelben

Knollen von der Maschine vergessen noch

sieht man die Staubspur der riesigen

Räder wie Nebel über dem Lehm

liegen der Wind frischt auf fegt Wellen

über die Pfützen von gestern.

 

Die Taschen voll mit erdigem

Duft den wir nach Hause tragen

wie ein Versprechen.

 


Aus:

Ursula Maria Wartmann, Am Ende der Sichtachse, edition offenes feld 2022

 



7. Oktober 2022

 

Golineh Atai zu Gast

 

im Stadtarchiv Dortmund. Die bekannte und überaus geschätzte Journalistin, Russland-Expertin und Auslandskorrespondentin las aus

"IRAN - Die Freiheit ist weiblich". Zahlreiche Gäste waren gekommen - etliche aus der iranischen Community -, um den Schicksalen dieser ungemein mutigen und verzweifelten Frauen zu lauschen, die in einem unbeugsam patriarchalen System versuchen, sich ihre Freiheit zu erkämpfen - und das immer wieder auch mit dem Leben bezahlen. Atemloses, konzentriertes Zuhören, blasse Gesichter ... Man hielt manches kaum aus. Anschließend signierte Atai. "Manchmal ist das Hoffnungsvollste, das du machen kannst, einfach ohne Angst in die Dunkelheit zu schauen." Ein Motto, das sie wohl hunderfach und mehr als Widmung notiert hat ... Ein paar Häuser weiter dann der "Weinkeller" (wo es auch Bier gibt), und wo an der Hauswand unverblümt Klartext geredet wird. (Foto!) Auch dafür liebe ich unsere Stadt, unser Ruhrgebiet.

Moderiert wurde der Abend von Frederike Jacob, die vom Literaturhaus entsandt war. Ein Glücksfall: Sie machte den nicht ganz einfachen Job mit Klugheit und Empathie.


1. Oktober 2022

 

Bauleitung in weiblicher Hand ist

noch immer eher die Ausnahme. Von den zwanzig wichtigsten Architekturbüros in Deutschland wird keins von einer Frau oder einem Frauenteam geführt. Und: die Bezahlung ist im Vergleich zu den Kollegen noch immer ein Trauerspiel. bodo stellt eine Ingenieurin und Architektin vor, die aus Haltern am See stammt, schon lange in Wien lebt und in Dortmund das Moxy Hotel am Dortmunder U baut.

Ich hatte das Vergnügen, sie im Interview ausführlich zu befragen.