27. Juli 2021

 

Schulauer Fährhaus

 

in Wedel - so viele Erinnerungen an zwanzig Jahre Hamburg. So viel Liebe und Literatur, Wasser und Lieder, Trauer und Trennen, Feiern und Tanzen und Kraft und Mut und pralles Leben in all den Jahren. Nicht oft, aber ab und zu muss ein Besuch einfach sein ...


24. Juli 2021

 

Ausflug nach Duisburg-Ruhrort

 

Ruhrort ist ein Jahrhunderte alter teils hipper, teils gediegener, teils etwas abgerockter - wie das Leben halt so spielt - Stadtteil der Ruhrmetropole Duisburg mit dem größten Binnenhafen der Welt. Es gibt die "Schimanski-Gasse" und den "Anker", wo nach dem Tatort-Dreh Schimmi & Co. ihre Currywurst aßen und ihr Pils tranken. Klaro! Logisch ist Ruhrort eine Pilgerstätte für Fans ...


23. Juli 2021

 

"In der Schweigeminute hecheln die Hunde"

 

Nachdem gerade mein zweiter Lyrikband veröffentlich wurde, vergegenwärtige ich mir noch einmal, wie alles anfing. "In der Schweigeminute hecheln die Hunde" - dieser Satz, mit dem ich eines Morgens im Jahr 2019 glasklar aus einem Traum aufgewacht bin, war meine Erweckung als spätberufene, damals immerhin schon 65jährige Lyrikerin. (Young at heart, Leute, klar!) Nach einer dramatischen Lungenembolie Ende 2017 war ich als Schriftstellerin für's erste verstummt, immerhin nicht als Gesamterscheinung, was ja schon mal ganz wunderbar war.

2018 ein paar journalistische Arbeiten - mehr war da nicht.

Dann 2019 dieser Traum.

Dieser Satz!

Ein paar Jahre vorher hatte ich in den USA, in Savannah in Georgia, zufällig ein Treffen von Vietnam-Veteranen miterlebt, was mich offenbar so nachhaltig erschüttert hat, dass mich ein kleiner Bildausschnitt aus diesem Treffen - ein blinder Kriegsveteran mit nach innen lauschendem Blick und Hund - aus meinem Traum geradewegs in eine neue mir unbekannte Realität katapultierte.

Bleistift, Block und Blick von der Küche in alte Bäume - so fing das an. An diesem denkwürdigen Erweckungstag habe ich mich ohne jedes Zögern in die Küche geschleppt und ohne auch nur einen Schluck Kaffee erst einmal losgelegt. Das war schon verdammt besonders. In der Schweigeminute ... Irre war das. Das erste Gedicht hieß schlicht "Vietnam"; ihm sind etliche gefolgt. Mittlerweile kann ich in der Autowerkstatt schreiben, wenn ich auf das Ergebnis der Inspektion warte, was der Sensation und Faszination nichts nimmt.

Ich habe sehr viel in meinem Leben geschrieben. Interviews, Reportagen. Rezensionen, Romane. Essays, Erzählungen. Doch nie hat mich etwas so gefangen genommen, derartig glücklich und, ja, ich sag es so: selig gemacht wie Lyrik, die tiefe innere Schichten erreicht und Menschen auf eine Art berühren kann, wie es sonst nicht möglich ist - jedenfalls nicht über Sprache.

 

"Vietnam" in Ursula Maria Wartmann: Gegen acht im Park, edition offenes feld 2020


22. Juli 2021

 

Neues Spiel - neues Glück

 

am Dienstag, den 31. AUGUST (!) um 19.30 Uhr starten wir einen neuen Versuch: Ich lese aus "Der Bourbon des Grafikers" - alten und neuen Erzählungen, veröffentlicht 2019 bei der edition offenes feld.

 

Tatort: das Studio B der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund gegenüber vom Hauptbahnhof. Das Studio B liegt wiederum direkt gegenüber vom Haupteingang der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund, die von dem  Schweizer Architekten Mario Botta entworfen wurde. Sie wurde im Mai 1999 bezogen und zählt zu den großen deutschen Bibliotheken in städtischer Trägerschaft.

 

Da wegen Corona die Plätze beschränkt sind, wird ab sofort um Voranmeldung gebeten. Mail ratzfatz an:

VeranstaltungenZB@stadtdo.de.

 

Natürlich wird es einen Büchertisch geben, wo nicht nur "Der Bourbon des Grafikers" gekauft und signiert werden kann, sondern auch frühere Romane und neuere Lyrikbände; zuletzt erschienen 2021 "Am Ende der

Sichtachse".

 

Mal gucken, ob ich noch laut vor Gästen lesen kann. Kommt vorbei - ich freue mich sehr auf ein interessiertes und geneigtes Publikum von nah & fern.

 


10. Juli 2021

 

"Des Sommers ganze Fülle" ...

 

die Gärten explodieren förmlich, es ist eine Lust und ein Genuß ... Wieder aus dem Regal geholt: das großartige Buch von Laurie Lee, das 1964 erstmal bei Kindler, München auf Deutsch erschien. Es beschreibt einen Kindheitssommer in einem abgeschiedenen Dorf im England der 1920er Jahre und ist dermaßen dicht und sinnlich geschrieben, dass man das Gefühl hat, dabei gewesen zu sein. Sehr zu empfehlen.



 8. Juli 2021

 

 

Damals war Krieg

 

 

Unsere Koffer sind ramponiert

randvoll mit dem Schweigen der Mütter

in den staubigen Winkeln der Kirche

zucken im Flammenspiel gemartert

die Helden und Heilige haben den Einschlag

der Bomben gehört dem federnden

Schritt der Katzen gelauscht die sich

durch Hunger wühlten wie wir

uns durch unsere Träume;

in jeder Sekunde beginnt die Lüge

neu nach der Reue im Kirchenschiff

treiben wir durch unsere Hitze und   

durch die taunassen Streuobstwiesen der Angst.

In der Küche hebt der Onkel ein Fuchsgesicht

aus den Händen taucht aus dem dunklen

Groll der Erinnerung auf. Schwarz unter

den Nägeln, die Knöchel weiß wie Kalk.

Mutter macht Kaffee mahlt Bohnen

Der alten Hündin fallen die Schritte schwer.

 

Du atmest so leise nachts, dann muss ich dich      wecken.

 

 

Aus:

Am Ende der Sichtachse, edition offenes feld 2021

 


1. Juli 2021

 

Tage so sonnenwarm

 

Wir brechen die Tage wie Brot

 am Strand beperlt die Bö unsere Haut

 mit Sand wir trinken dampfenden

 Wein und wachen am Deich über

 die lockigen Rücken der Lämmer dann

 entzünden wir ihn: den schwarzen Docht

 der Nacht wir hissen die Segel aus duftendem Tuch

 und Morgentau wir lassen das hungrige Herztier

 hinter dem Rippenbogen grasen am

 Morgen bringt uns das Meer

 schäumend die Sandburg zurück so

 sonnenwarm sind wir wir

 brechen die Tage wie Brot.

 

Aus: Am Ende der Sichtachse, edition offenes feld 2021

 




 

 

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